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Aus der Reihe „Postnatale Depression (PND)“: Depression erkannt, Depression gebannt?

2. August 2015

Die bisherige Forschung zeigt, dass Symptome der PND mit der Zeit abnehmen, aber die Depression für 30 – 50 % der betroffenen Frauen bestehen bleibt. Nach Aussage eines Überblickartikels von Forschern der Universität Leuven (Belgien) brauchen Familien mit Müttern, die an PND leiden, eine Behandlung von Fachärzten, die um die Gefahr einer Chronifizierung wissen. Da mütterliche Depression die langfristige Entwicklung des Kindes negativ beeinflussen kann, zeigen die Befunde auch den Bedarf nach weiterer Unterstützung während der frühen Kindheit und auch darüber hinaus.


Die belgischen Forscher verfassten einen Überblick über die Forschung zur PND zwischen 1985 und 2012. Dabei konzentrierten sie sich auf den Verlauf der PND in Follow-up Studien (Studien zu einem späteren Zeitpunkt als eine erste Studie/Folgestudie), besonders auf Faktoren, die zu einem höheren Risiko einer Chronifizierung beitragen.

In allen Folgestudien mit Müttern, die eine PND hatten, verringerten sich die depressiven Symptome im Verlauf der Zeit. Die Werte fielen allerdings nicht immer unter den kritischen Depressionswert, der eine klinische Auffälligkeit und Hilfsbedürftigkeit anzeigt. In manchen Studien waren Mütter, die zum Erstuntersuchungszeitpunkt eine PND zeigten, bis zu drei Jahre später immer noch depressiv.
In klinischen Studien, die Mütter mit PND untersuchten, die therapeutische Hilfe erhielten, blieben 50 % der Frauen über das erste Jahr hinaus depressiv. Über alle Studien hinweg betrug der Median einer überdauernden Depression 38 %.

Verschiedene Studien versuchten die Mütter in Untergruppen einzuteilen, die verschiedene Verläufe der Depression zeigten. In allen gab es eine Untergruppe von Müttern mit chronifizierter Depression. In den meisten Studien gab es eine Untergruppe von Frauen, die in den ersten drei Monaten eine akute schwere Depression hatten, die aber nach sechs oder mehr Monaten keine erhöhten Depressionswerte mehr aufwiesen.
Andere Studien fanden eine Gruppe „abnehmende Depression“, in der sich die Symptome verbesserten, aber niemals komplett zurückgingen. Manche Forscher gehen davon aus, dass chronische PND eine Weiterführung einer bereits vorher existierenden Depression oder anderer Stimmungsprobleme darstellt.

Manche Studien berichten, dass junge Mütter, Frauen aus Familien mit niedrigerem Einkommen und Frauen aus Minderheitsgruppen ein höheres Risiko haben, eine PND auszubilden. Es gab außerdem mehr konsistente Hinweise auf andere Risikofaktoren aus dem Umfeld wie geringere Qualität der Paarbeziehung, Depressionen oder sexuellen Missbrauch in der Vergangenheit der Mutter, höherer Stress mit der Elternschaft und Persönlichkeitsfaktoren. Koliken oder andere Krankheiten des Kindes schienen das Risiko einer chronischen Depression nicht zu beeinflussen.

Frühere Studien zeigten, dass eine Depression der Mutter sich negativ auf die Entwicklung des Kindes auswirken kann, besonders auf kognitive und verbale Fähigkeiten, sowie Schulreife. Da PND bedeutsame Konsequenzen für das Kind, die depressive Mutter und deren frühe Bindung hat, hilft uns ein größeres Wissen über ausgedehnte Veränderungen in der psychischen Gesundheit der Mütter mit PND nicht nur, den Verlauf von PND zu verstehen, sondern auch Präventions- und Interventionsstrategien zu entwickeln.

Die belgischen Wissenschaftler bemerkten einige wichtige Lücken in der bisherigen Forschung, z.B. einen Mangel an Daten darüber wie Behandlung einer PND langfristig wirkt. Die Forscher forderten weitere Studien, vor allem größer angelegte Studien mit einheitlicher Definition der PND und einem regelmäßigen Follow-up.

Die Befunde dieser Metastudie legen wichtige Forderungen an alle Behandler im Gesundheitssystem nahe, die mit depressiven Müttern arbeiten. Behandler müssen auf vorherige depressive Episoden der werdenden Mütter achten und mögliche Umfeldfaktoren ernst nehmen, die eine Vulnerabilität für einen chronischen Verlauf der PND begünstigen.

Quelle:

http://www.sciencedaily.com/releases/2014/01/140113104703.htm

Rubrik: Depression
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