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Welche Vorteile bietet eine arbeitsorientierte Verhaltenstherapie?

8. März 2012

Woher-kann-man-wissen-was-einen-glücklich-machen-wird-sKrankschreibungen wegen psychischen Beschwerden werden immer häufiger und können relativ lange dauern. Eine aktuelle Studie hat eine Form der Psychotherapie untersucht, die gezielt versucht die Dauer der Krankschreibung zu minimieren. Wir haben eine Presseerklärung des Herausgebers zu der Studie von Ende Februar übersetzt, bei der die Rückkehr zur Arbeit ein wichtiger Teil der Therapie ist:

Arbeitnehmer, die wegen häufigen psychischen Erkrankungen wie Depressionen oder Ängsten krankgeschrieben sind, können schneller wieder vollzeitig arbeiten gehen, wenn sich ihre Therapie mit beruflichen Problemen befasst und damit, wie sie wieder an ihren Arbeitsplatz zurückkehren können. Das zeigt eine neue Studie, die von der American Psychological Association (APA) veröffentlicht wurde.

Arbeitnehmer, die eine solche Therapie machten und früher wieder arbeiten gingen, hatten keine Nachteile und ihre psychische Gesundheit wurde innerhalb eines Jahres deutlich besser. Der Artikel erschien online im Journal of Occupational Health Psychology, einem Journal der APA.

„Menschen mit Depressionen oder Ängsten können lange krankgeschrieben sein, bis es ihnen wieder besser geht“, sagt die erste Autorin der Studie Suzanne Lagerveld von der Organisation für Angewandte Wissenschaftliche Forschung (TNO) in den Niederlanden. „Aber es ist nicht Standard, dass die Rückkehr zur Arbeit einen Schwerpunkt der Therapie bildet. Diese Studie zeigt, wenn Strategien für eine Rückkehr zur Arbeit in die Therapie integriert werden, sind Leute weniger lange krankgeschrieben, ohne dass es dem psychischen Wohlbefinden der Patienten schadet.“

Die Studie, die in den Niederlanden durchgeführt wurde, beobachtete 168 Arbeitnehmer (60 Prozent davon Frauen), die wegen psychischen Problemen wie Ängsten, Anpassungsstörungen oder leichten Depressionen krankgeschrieben waren. Neunundsiebzig Arbeitnehmer mit ganz verschiedenen Berufen machten eine Standard-Verhaltenstherapie, deren Wirksamkeit wissenschaftlich nachgewiesen war. Der Rest machte eine Verhaltenstherapie, bei der einer der Schwerpunkte auf der Arbeit und der Rückkehr zur Arbeit lag.

Die Verhaltenstherapie basiert auf der Annahme, dass es das Denken eines Menschen ist und nicht äußere Faktoren wie andere Menschen, Situationen oder Ereignisse, das seine Gefühle bestimmt und sein Verhalten steuert. Verhaltenstherapeuten ermutigen ihre Patienten die Art und Weise zu verändern, wie sie denken, damit sie sich besser fühlen, auch wenn sich ihre Situation nicht ändert. Im Rahmen der Verhaltenstherapie werden oft auch Verhaltenstechniken benutzt wie etwa die schrittweise Konfrontation mit schwierigen Situationen.

In der arbeitsorientierten Gruppe beschäftigten sich die Psychotherapeuten mit beruflichen Problemen in einer frühen Phase der Therapie und benutzten die Arbeit und die Arbeitsstelle als Mittel oder Kontext, um die psychische Gesundheit ihrer Patienten zu verbessern. Zum Beispiel erklärten die Therapeuten ihren Patienten immer wieder, wie Arbeit ihrem Leben eine bessere Struktur geben und ihr Selbstwertgefühl heben könnte, was sich positiv auf die Genesung der Patienten auswirkt. Sie halfen ihren Patienten auch einen detaillierten, schrittweisen Plan auszuarbeiten, wie sie zu ihrer Arbeit zurückkehren können. Dabei konzentrierten sie sich auf bestimmte Aufgaben und Tätigkeiten und wie der Patient sie angehen würde.

Die Patienten beider Gruppen hatten etwa 12 Therapiesitzungen über einen Zeitraum von durchschnittlich 6 Monaten. Kurz vor Beginn der Behandlung und dann ein Jahr lang alle drei Monate beantworteten die Patienten Fragebögen zu ihrer psychischen Gesundheit.

Im Vergleich zu den Patienten in der Gruppe mit Standardtherapie gingen die Patienten der arbeitsorientierten Gruppe durchschnittlich 65 Tage früher wieder Vollzeit arbeiten bzw. sie nahmen ihre Arbeit 12 Tage früher wieder Teilzeit auf. Die Patienten der arbeitsorientierten Therapiegruppe steigerten ihre Arbeitszeit und Aufgaben langsamer (in mehr Schritten), bis sie wieder Vollzeit arbeiten gingen. Bis zum Ende der Nachbeobachtungszeit nach 12 Monaten kehrten fast alle Studienteilnehmer (99 Prozent) zumindest Teilzeit an ihren Arbeitsplatz zurück. Die meisten Teilnehmer kehrten zu ihrer Arbeit schrittweise zurück. Nur sieben Prozent gingen nach der Krankschreibung gleich wieder Vollzeit arbeiten.

Die psychischen Probleme aller Patienten nahmen im Laufe der Behandlung unabhängig von der Art der Therapie ab. Die deutlichste Abnahme der Symptome wurde in den ersten Monaten beobachtet.

„Wenn jemand nicht arbeitet, wirkt sich das direkt auf sein Wohlbefinden aus. Wer am Arbeitsleben nicht teilnehmen kann, verliert eine wertvolle Quelle für soziale Unterstützung und Kontakt mit anderen Menschen”, sagt Lagerveld. „Sie können auf einen Teil ihres Einkommens verzichten müssen und entwickeln am Ende oft noch mehr psychische Symptome. Wir haben gezeigt, dass Arbeitnehmer, die wegen psychischen Erkrankungen krankgeschrieben sind, von einer Behandlung profitieren können, die es ihnen ermöglicht wieder arbeiten zu gehen.“

Die Ersparnis für Arbeitgeber, deren Mitarbeiter früher an ihren Arbeitsplatz zurückkehrten, war etwa 20 Prozent. Nach Angaben der Autoren entspricht das einem Gewinn von circa 5 275 US Dollar pro Mitarbeiter. Diese Rechnung berücksichtigte nur die Lohnfortzahlung während der Krankschreibung ohne die zusätzlichen Kosten durch den Produktivitätsverlust oder das Anstellen einer Vertretung.

Quellen:

American Psychological Association, 27. Feb 2012

Lagerveld et al. Journal of Occupational Health Psychology, Feb 2012

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Rubrik: Verhaltenstherapie
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