skip to content

Warum rennen Kinder vor heranfahrende Autos?

2. Dezember 2010

Warum rennen Kinder vor heranfahrende AutosJedes Jahr sterben in Deutschland mehr als 4 000 Menschen bei Verkehrsunfällen. Kinder sind besonders gefährdet. Eine aktuelle Studie hat die Wahrnehmung von Kindern untersucht und zeigt, dass sie Autos und ihre Geschwindigkeit anders sehen als Erwachsene. Wir haben die Presseerklärung der Universität zu der noch nicht veröffentlichten Studie von letzter Woche übersetzt, die mehr Verkehrsberuhigung fordert:

Eine Studie von Forschern am Royal Holloway College der University of London zeigt, dass Grundschulkinder die Geschwindigkeit von Fahrzeugen nicht genau einschätzen können, wenn sie schneller als etwa 30 km/h fahren.

Die Forscher maßen die Genauigkeit der visuellen Wahrnehmung von mehr als hundert Kindern im Grundschulalter und berechneten die Geschwindigkeit herannahender Fahrzeuge, die sie zuverlässig erkennen konnten. Die Ergebnisse zeigen, dass erwachsene Fußgänger die Geschwindigkeit von Fahrzeugen, die bis zu 80 km/h fahren, noch genau einschätzen können. Kinder im Grundschulalter dagegen können die Geschwindigkeit herannahender Fahrzeuge nicht mehr zuverlässig einschätzen, wenn sie schneller als etwa 30 km/h fahren und das Auto noch über fünf Sekunden entfernt ist.

Professor John Wann vom Fachbereich Psychologie am Royal Holloway College, der die Studie leitete, sagt: „Hier geht es nicht darum, ob Kinder aufpassen oder nicht, sondern um ein Problem, das mit grundlegenden Mechanismen der visuellen Wahrnehmung zusammenhängt. Das heißt, auch wenn ein Kind gut aufpasst, könnte es ein schnell herannahendes Fahrzeug einfach übersehen.“

Die Forscher untersuchen nun Möglichkeiten, virtuelle Realitätssysteme zu benutzen, die Kindern die Fehleinschätzungen bewusster machen, zu denen es kommen kann. Aber Professor Wann betont, dass Verkehrsberuhigung die einfachste Lösung ist: „Diese Ergebnisse zeigen sehr deutlich, dass Kinder beim Überqueren der Straße riskante Entscheidungen treffen können, wenn Fahrzeuge mit 50 oder 60 km/h fahren. Außerdem sind die Fahrzeuge, in die sie am ehesten hineinlaufen, gerade die schnelleren, die am wahrscheinlichsten einen tödlichen Unfall verursachen. Wenn Sie in einer Wohngegend ein oder zwei Kilometer mit 30 und nicht 50 km/h fahren, dauert Ihre Fahrt nur 60 Sekunden länger – wir wollen Autofahrer ermutigen, sich eine Minute mehr Zeit zu nehmen und das Leben eines Kindes zu retten.“

Die Studie, die in dem internationalen Fachjournal Psychological Science veröffentlicht wird, ist Teil eines größeren Projekts, das vom Economic and Social Research Council (ESRC) finanziert wird und Faktoren der menschlichen Wahrnehmung untersucht, die zu Unfällen mit Fußgängern führen können. Das Forscherteam hat vor Kurzem eine Studie in den Proceedings of the Royal Society publiziert, in der Gehirnscans zeigten, dass manche der entscheidenden Elemente für die Wahrnehmung eines drohenden Zusammenstoßes im Hirnstamm lokalisiert sind. In diesem Teil des Gehirns finden grundlegende erste Schritte der Wahrnehmung statt, ähnlich denen, die auch bei anderen Tieren wie zum Beispiel Tauben gezeigt wurden.

In diesem Sommer demonstrierte das Forscherteam vom Royal Holloway College seine Studien der Öffentlichkeit im London Science Museum, wo 500 Besucher die Tests der Wissenschaftler selbst ausprobieren konnten. Ähnliche laufende Projekte der Forscher sind eine Studie, die von der Royal Society for the Prevention of Accidents (RoSPA) finanziert wird und untersucht, wie ältere Autofahrer an Straßenkreuzungen ihre Entscheidungen treffen. Eine andere Studie untersucht, warum Motorradfahrer ein erhöhtes Risiko haben, in Unfälle verwickelt zu werden, bei denen Leute „geguckt aber nichts gesehen“ haben.

Quelle:

Royal Holloway College, 23.11.10

Verwandte Artikel:

Warum können Kinder mit Dyslexie dem Unterricht schlechter folgen?

Lässt sich die Therapie von ADHS mit Computerspielen für Kinder unterstützen?

Welche Folgen hat Multi-Tasking?

Weitere Links:

Zur Praxis für Psychotherapie in München

Zur Praxis für Psychotherapie in Düsseldorf

Zur Praxis für Psychotherapie in Berlin

Rubrik: Kinder & Jugendliche
Tags: , , , ,


Antwort erstellen



Zurück zum Anfang