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Rubrik: Psychosomatik & Schmerzen

Gibt es heute mehr psychische Erkrankungen als früher?

9. August 2009

Wenn man sich den aktuellen Gesundheitsreport der Techniker Krankenkasse (TK) durchliest, scheint dies in der Tat der Fall zu sein und zwar in einem beunruhigend hohem Maße. Im vergangenen Monat hat die Bundespsychotherapeutenkammer die Ergebnisse des Gesundheitsreports 2009 zusammengefasst. Ich zitiere die entsprechende Pressemitteilung in Auszügen:


Wie hängen Schmerzen und Depressionen zusammen?

27. Mai 2009

In der Süddeutschen Zeitung ist heute ein interessanter Beitrag erschienen. Hier wird eine Studie vorgestellt, in der es um den Zusammenhang von Depressionen und chronischen Schmerzen geht und wie beides effektiv behandelt werden kann. Ich zitiere den Artikel nachfolgend auszugsweise (Hervorhebungen von mir):


Welchen Einfluss hat das Wetter auf Migräne?

17. März 2009

Welchen Einfluss hat das Wetter auf Migräne sObwohl Menschen, die unter Kopfschmerzen leiden, häufig das Wetter verantwortlich machen, gab es bislang wenige wissenschaftliche Belege für die Wetterfühligkeit von Migränepatienten. Dies scheint sich jedoch zu ändern. In der aktuellen Ausgabe von Neurology (2009; 72: 922-927) ist eine Studie erschienen, in der Forscher des Beth Israel Deaconess Medical Center (BIDMC) in Boston über 7.000 Patienten untersucht haben. In der Studie wurden die Witterungsverhältnisse vor und während starker Kopfschmerzattacken erhoben (die die Patienten zu einem Besuch der Notaufnahme veranlassten). Die Forscher fanden heraus, dass sowohl höhere Temperaturen am Vortag als auch niedriger Luftdruck zu schweren Kopfschmerzen beitrugen.


Buch zu somatoformen Störungen ist veröffentlicht

13. März 2009

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Im Elsevier Verlag ist gestern (endlich!) mein Buch „Somatoforme und funktionelle Störungen“ veröffentlicht worden, an dem ich in den letzten zwei Jahren mit der Unterstützung des Mediziners Axel Eustachi gearbeitet habe.

Warum dieses Buch?
Patienten mit somatoformen (bzw. psychosomatischen)  Symptomen  suchen zunächst verständlicherweise nach Linderung ihrer körperlichen Beschwerden. Ihre erste Anlaufstelle ist demnach in der Regel der Hausarzt oder ein Facharzt. Werden somatoforme Symptome nicht als solche erkannt, diagnostiziert und behandelt, beginnt für viele Patienten eine langjährige Odyssee durch verschiedene Arztpraxen mit vielfältigen diagnostischen Untersuchungen und Behandlungsversuchen. Je länger die Suche nach der richtigen Diagnose dauert, desto größer wird die Gefahr der Chronifizierung der Störung.

Unser Buch „Somatoforme und funktionelle Störungen“ richtet sich in erster Linie an Allgemeinärzte und Fachärzte, die ihr Wissen über Ätiologie, Diagnostik und Behandlung funktioneller körperlicher Beschwerden aktualisieren möchten und auf der Suche nach konkreten Hinweisen zum Umgang mit dieser Patientengruppe sind, die oft als schwer zu behandeln empfunden wird. Psychologische und ärztliche Psychotherapeuten, die an einer ingegrativen Sichtweise interessiert sind, werden hoffentlich ebenso von dem dargestellten Überblick über Störungsbilder und Behandlungsmethoden profitieren können.

„Somatoforme und funktionelle Störungen“ bei Amazon

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Wie hilft Psychotherapie bei psychosomatischen Beschwerden?


Gibt es einen Zusammenhang zwischen psychischen Störungen und Migräne?

23. Januar 2009

„Eindeutig ja“, stellt Gregory Ratcliffe von der University of Manitoba (Kanada) fest. In der aktuellen Ausgabe von General Hospital Psychiatry fasst Ratcliffe die Ergebnisse einer umfassenden Studie zu dieser Fragestellung zusammen.  Basierend auf einer repräsentativen Untersuchung und Befragung von 4.181 Personen in Deutschland, die Ende der 90er durch das Bundesforschungsministerium in Auftrag gegeben wurde, hat Ratcliffe und sein Team die Zusammenhänge zwischen Migräne und psychischen Erkrankungen analysiert. Aufgrund der außergewöhnlich hohen Anzahl an untersuchten Personen und der Tatsache, dass die Diagnostik auf Migräne und psychische Störungen nicht auf Selbsterhebung, sondern auf ärztlichen Untersuchungen und psychologischer Tests beruhen, sind die Ergebnisse ernst zu nehmen. Die Forscher um Ratcliffe fanden heraus, dass knapp 12% der Untersuchten unter Migräne litten.  Diese Gruppe litt gleichzeitig signifikant häufiger als der Bevölkerungsdurchschnitt unter Depressionen und/oder Angst- und Panikstörungen.

Wie so häufig in der Forschung sagt aber das gemeinsame Auftreten von Störungen noch nichts über den tatsächlichen Zusammenhang aus. Hierzu gibt es bislang nur Theorien, die sich grob zwei Gruppen zuordnen lassen:

Theorie A: Beides – Migräne und psychische Erkrankung – haben eine gemeinsame Ursache. Die Vertreter dieser Theorie führen zum Beispiel an, dass in vergangenen Studien sowohl bei Migräne als auch bei einer Reihe von psychischen Erkrankungen Störungen im Serotonin-Haushalt festgestellt werden konnten.

Theorie B: Migräne und psychische Erkrankung sind kausal miteinander verknüpft. Dafür könnten mehrere Studien seit den 90ern sprechen, in denen gezeigt (und bestätigt) werden konnte, dass dem Auftreten von Migräne überzufällig häufig Angststörungen vorausgehen und Depressionen folgen.

Angesichts der hohen Verbreitung sowohl von Migräne als auch von Angststörungen und Depressionen in der Bevölkerung ist zu hoffen, dass künftige Forschung den tatsächlichen Zusammenhang zügig aufklären hilft, damit die entsprechenden Krankheitskombinationen schneller erkannt und wirksamer behandelt werden können.

Quelle:

G.E. Ratcliffe et al. General Hospital Psychiatry 31 (2009), 14-19

Autorin: Dr. Rose Shaw, München

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Zur Praxis für Psychotherapie in Düsseldorf

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Haben depressive Menschen ein höheres Schmerzempfinden?

29. Dezember 2008

Forscher der University of California San Diego, La Jolla haben in der Novemberausgabe der Archives of General Psychiatry eine Studie veröffentlicht, die einen Beitrag zur Aufklärung des Zusammenhangs zwischen Depressionen und Schmerzen liefern soll. Hintergrund ist, dass Depression und chronische Schmerzen häufig Hand in Hand gehen. Die Autoren verweisen darauf, dass mehr als 75% der Patienten mit Depressionen auch von wiederkehrenden oder chronischen Schmerzen berichten. Umgekehrt kann man – so die Forscher – davon ausgehen, dass zwischen 30% und 60% der Schmerzpatienten auch Symptome einer Depression zeigen.

Um herauszufinden, wie sich das Schmerzempfinden unterscheidet, wurden zwei Gruppen von jeweils 15 depressiven und nicht depressiven Personen untersucht. Jede Versuchsperson wurde an ihrem Arm schmerzhaften Empfindungen (durch Hitze) ausgesetzt. Die Hirn-Reaktionen des Versuchspersonen wurden durch einen Magnetresonanztomographen gemessen (das sind die klaustrophobisch engen Röhren, in die Menschen hineingeschoben werden, nicht ohne den Hinweis des Arztes, dass man jetzt wirklich keine Angst haben muss…)  Bevor schmerzhaftes Empfinden ausgelöst wurde, wurden den Versuchspersonen Symbole gezeig, die ihnen ankündigten, ob die nun folgende Empfindung schmerzhaft sein würde oder nicht.

Tatsächlich ließen sich bei den depressiven Versuchspersonen bereits bei der Ankündigung von Schmerz höhere Aktivität in den „Schmerzregionen“ des Gehirns feststellen als bei der Kontrollgruppe. Zudem zeigten die depressiven Personen während des Schmerzempfindens eine geringere Aktivität in den Hirnarealen, die das Schmerzempfinden verringern. Warum dies so ist, soll künftige Forschung klären. Dies wäre insofern sinnvoll als dass – so die Autoren – die effektive Behandlung von Depressionen häufig durch das gemeinsame Auftreten von Depressionen mit Schmerzen erschwert wird.

Quelle:

Strigo et al. Archives of General Psychiatry 2008; 65(11): 1275-1284

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Warum macht Stress krank?

27. Dezember 2008

Thomas Höge von der Universität Innsbruck hat in der Februarausgabe der Zeitschrift Stress and Health (2/2009) die Ergebnisse einer Studie veröffentlicht, die dazu beitragen soll, den Zusammenhang zwischen Stress, Konflikten zwischen Arbeit und Familie und der (physischen wie psychischen) Gesundheit aufzuklären. Diese Studie reiht sich ein in die mittlerweile über 20-jährige Forschung zum Thema Stress und Gesundheit, die maßgeblich durch Veränderungen in der westlichen Arbeitswelt der letzten Jahrzehnte (Veränderungen der Geschlechterrollen, wachsende Anzahl der Doppelverdiener mit Kindern, „Flexibilisierung“ der Arbeitswelt etc.) initiiert wurde.

Die These, die Höge in seiner Studie untersucht (und bestätigt) ist, dass sich die hinlänglich bewiesenen negativen Auswirkungen von Stress am Arbeitsplatz auf die Gesundheit zum Teil über Konflikte zwischen Arbeit und Familie („Work-Family-Conflicts“) erklären lassen. Vereinfacht heißt dies Folgendes: Stress (zum Beispiel übermäßiger Zeitdruck) kann unter anderem dazu führen, dass Arbeitsaufgaben in Konflikt mit Familienaufgaben geraten. Oder anders formuliert: Die Rolle als Berufstätiger gerät in Konflikt mit der Rolle als Familienmensch. Dies kann insbesondere dann passieren, wenn die Trennung zwischen Arbeit und Familie nicht eindeutig ist (siehe dazu auch unseren Beitrag vom 15.12). Und es ist dann diese Belastung, (also die, die  durch den Konflikt zwischen Arbeit und Familie entsteht), die schließlich zu gesundheitlichen Problemen wie etwa Depressionen oder auch psychosomatischen Beschwerden führen kann.

Zusammengefasst heißt dies: Die negativen Auswirkungen von beruflichen Stress auf die Gesundheit lassen sich über zwei Ansatzpunkte reduzieren: Ein Ansatzpunkt ist es, „die Arbeit aus der Familie rauszuhalten„, d.h. dafür zu sorgen, dass die Trennung zwischen Arbeit und Familie eindeutig bleibt. Im Idealfall heißt dies, dass die durch die Arbeit ausgelösten negativen Kognitionen („wie soll ich das alles schaffen?“) und negativen Emotionen (z.B. Gereiztheit) nicht das Familienleben belasten. Außerdem kann nur so sichergestellt werden, dass die Erholungsphasen ausreichend sind, um wieder aufgetankt in den Arbeitsalltag zurückzukehren.

Der zweite Ansatzpunkt bleibt jedoch unverändert, den mittlerweile geradezu manischen Zeitdruck aus der Arbeit rauszunehmen. Bei näherem Hinsehen ist dieser Zeitdruck ohnehin oftmals eher selbstgemacht als von außen aufgezwungen und ob die ständige Erreichbarkeit und die gegenseitige Erwartung, dass jeder zu jedem Zeitpunkt immer sofort auf alles reagieren muss, der Arbeitsqualität wirklich zuträglich ist, müsste ohnehin mal untersucht werden. Aber das ist ein anderes Thema.

Quelle:

Thomas Höge: When work strain transcends psychological boundaries: an inquiry into the relationship between time pressure, irritation, work-family conflict and psychosomatic complaints. Stress and Health, Feb 2009

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