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Kann ehrenamtliche Tätigkeit das kognitive Altern verlangsamen?

26. Dezember 2009

senior voluntary work sEine aktuelle Studie untersucht die geistige Fitness von Senioren in einem Projekt, das auf die Förderung von sozial schwachen alten und jungen Menschen abzielt. Die Ergebnisse zeigen, dass die Arbeit mit Kindern die Senioren geistig reger macht, was sich auch in der Aktivität der entsprechenden Gehirnregionen sehen lässt. Ich habe einen Presseartikel der Universität vom 15. 12. übersetzt, der die positiven Gesundheitsaspekte dieses auch sozial sinnvollen Programms beschreibt:

Eine ehrenamtliche Tätigkeit wie etwa Förderunterricht für Schulkinder kann helfen, das Nachlassen der Gehirnfunktion bei älteren Menschen hinauszuzögern oder umzukehren. Das geht aus einer Studie amerikanischer Forscher an der Johns Hopkins Bloomberg School of Public Health hervor. Die Forscher benutzten die Methode des funktionellen magnetischen Resonanzimaging (fMRT), um die Gehirnfunktion bei Senioren zu untersuchen, die an einem Betreuungsprogramm für Schulkinder teilnahmen. Mit fMRT wird der Blutfluss und damit die Aktivität bestimmter Gehirnregionen mithilfe eines magnetischen Feldes auf Scans (Bildern) sichtbar gemacht. Die Ergebnisse zeigten eine verbesserte Funktion der Gehirnregionen, die an der geistigen Planung und Organisation des täglichen Lebens beteiligt sind.

Die Studie ist die erste ihrer Art, die zeigt, dass soziale Programme wie das Experience Corps – ein Programm zur Förderung von Kindern und der Gesundheit älterer Menschen – den zusätzlichen Nutzen haben können, die geistigen Fähigkeiten und damit die Lebensqualität älterer Menschen zu verbessern. Die Ergebnisse der Untersuchung wurden in der Dezemberausgabe der Journals of Gerontology: Medical Sciences veröffentlicht. In den Jahren von 1946 bis 1964 wurden 78 Millionen US-Amerikaner geboren. Menschen im rentenfähigen Alter sind die am schnellsten wachsende Bevölkerungsgruppe der USA. Entsprechend groß ist das öffentliche Interesse an Programmen zur Aufrechterhaltung der geistigen und körperlichen Gesundheit von Senioren, insbesondere angesichts der sozialen Kosten anderer Alternativen.

„Wir stellten fest, dass Menschen, die am Experience Corps teilnahmen, dadurch geistig reger wurden. Dieser Effekt war mit deutlich veränderten Aktivierungsmustern im Gehirn verbunden”, sagt die Studienleiterin Dr. Michelle C. Carlson, die Associate Professor am Department of Mental Health und Center on Aging and Health der Bloomberg School ist. „Im Grunde ist es wie eine therapeutische Maßnahme, die bei diesen älteren Menschen geistige und Gehirnfunktionen verbessert.“

Dies ist die erste solche Untersuchung über die Auswirkungen des Experience Corps auf die geistige Gesundheit älterer Menschen. Das Experience Corps ist ein landesweites Freiwilligenprogramm in den USA, das Senioren dafür schult, Kindern in städtischen öffentlichen Schulen beim Lesen und auf anderen akademischen Gebieten zu helfen. Die Studie untersuchte 17 Frauen, die 65 Jahre oder älter waren. Die Hälfte nahm an laufenden Experience Corps-Programmen an Schulen in der Stadt Baltimore teil. Die andere Hälfte war noch auf einer Warteliste, um an einem anderen Experience Corps-Programm im darauffolgenden Jahr teilzunehmen. Bei ihrer Aufnahme ins Programm und sechs Monate später hatten die Teilnehmerinnen eine Gesundheitsuntersuchung, zu der fMRT-Scans für Gehirnaktivität und psychologischen Tests für geistige Funktionen gehörten.

„Die Ergebnisse dieser Studie sind zwar vorläufig aber vielversprechend. Sie zeigen, dass sich die Reserven des Gehirns auch später im Leben ausbauen und aufrechterhalten lassen, insbesondere bei wenig aktiven Menschen, die am meisten von verhaltensändernden Maßnahmen wie dem Experience Corps profitieren können”, sagt Carlson. Inzwischen leitet die Wissenschaftlerin eine größere fMRT-Studie als Teil einer groß angelegten klinischen Untersuchung über das Experience Corps-Programm in Baltimore, die auch statistisch ausgewertet werden soll.

„Angesichts der steigenden Lebenserwartung ist es für die öffentliche Gesundheit wichtig, den Zeitpunkt hinauszuzögern, ab dem altersbedingte Erkrankungen auftreten“, meint die Autorin Dr. Linda P. Fried, die Dekanin der Mailman School of Public Health an der Columbia University in New York. „Diese Studie zeigt, dass sich neue Rollen für Senioren in unserer immer älter werdenden Gesellschaft gestalten lassen, von denen alle profitieren – hier die wichtigen gesellschaftlichen Bedürfnisse für den Erfolg von Kindern in der Schule und zugleich die Gesundheit und das Wohlbefinden der älteren ehrenamtlichen Helfer selbst.“

Quellen:

Johns Hopkins Bloomberg School of Public Health, 15.12.09

Carlson et al. The Journals of Gerontology, 2009

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Rubrik: Alter, Hirnforschung, Mensch & Gruppe
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