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Kann Biofeedback helfen Gedanken zu kontrollieren?

18. April 2011

Depressive Symptome und Übergewicht bei Teenagern - Was ist der ZusammenhangBiofeedback macht normalerweise unbewusste physiologische Vorgänge wie Veränderungen des Blutdrucks sichtbar, sodass Patienten lernen können sie zu regulieren. Eine neue Untersuchung kanadischer Forscher zeigt nun, dass man durch Biofeedback auch lernen kann komplexe Gedankenvorgänge zu steuern. Wir haben die Presseerklärung der Universität von Anfang April übersetzt, die auf die Möglichkeiten des Biofeedbacks zur Behandlung psychischer Erkrankungen aufmerksam macht:

Menschen sehen sich heute im Privatleben wie im Beruf einer wachsenden Zahl von Ablenkungen gegenüber. Nun zeigt eine neue Studie von Forschern der University of British Columbia (UBC) in Kanada, dass Gehirn-Feedback in Echtzeit einem Menschen helfen kann, seine Gedanken besser zu kontrollieren.

Die Studie ist die weltweit erste Untersuchung darüber, wie man mithilfe der fMRT (funktionellen magnetischen Resonanztomographie) die Fähigkeit eines Menschen seine Gedanken zu kontrollieren durch Feedback vom Gehirn in Echtzeit beeinflussen kann. Die Forscher konnten zeigen, dass Feedback von Gehirnregionen, die für höhere Gedankenprozesse wie die Introspektion (Selbstbeobachtung) zuständig sind, einem Menschen hilft seine Gedanken zu kontrollieren und sein „Gehirn zu trainieren“.

„Genauso wie Athleten beim Sport von der Anleitung ihres Trainers profitieren, kann uns Feedback vom Gehirn helfen, uns unserer Gedanken bewusster zu werden“, sagt Prof. Kalina Christoff, eine Autorin der Studie von der Abteilung Psychologie an der UBC. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass wir unser Denken besser kontrollieren können, wenn wir wissen, wie sich die entsprechenden Gehirnregionen verhalten.“

Für die Studie, die in der Aprilausgabe des Journals NeuroImage veröffentlicht wurde, machten die Teilnehmer viermal Testaufgaben, die jeweils sechs Minuten dauerten, und bei denen die geistige Introspektion alle dreißig Sekunden erhöht oder erniedrigt war. Während der Tests führten die Forscher fMRT-Messungen durch, mit denen sie die Aktivität in der RLPFC-Gehirnregion (rostrolateraler präfrontaler Cortex), die an höheren Gedankenprozessen beteiligt ist, in Echtzeit verfolgten.

Teilnehmer, die fMRT-Feedback in Echtzeit erhielten, konnten sehen, wie ihre RLPFC-Aktivität während Introspektion zunahm und bei anderen Gedanken abnahm, zum Beispiel bei Testaufgaben, für die sie sich auf körperliche Empfindungen konzentrierten. Diese Teilnehmer konnten das Feedback nutzen, um ihre Gedanken zu steuern. Dadurch konnten sie ihre Gedanken deutlich besser kontrollieren und schnitten bei den geistigen Testaufgaben besser ab. Dagegen konnten Teilnehmer, die nur ungenaues oder gar kein Gehirn-Feedback erhielten, ihre Gehirnaktivität nicht regulieren und ihre Leistung steigern.

„Wenn die Teilnehmer sehen konnten, wie ihr Gehirn auf ihre Gedanken reagierte, wussten sie, ob sie die Testaufgabe gut oder schlecht machten, und konnten ihre Gedanken entsprechend anpassen“, sagt Graeme McCaig, der erste Autor der Studie, der an der Abteilung Electrical and Computer Engineering der UBC über die Interaktion von Mensch und Computer promoviert hat. „Daher konnten sich die Teilnehmer, die Feedback in Echtzeit erhielten, mit größerer Konsistenz auf die Testaufgaben konzentrieren.“

Die Studie eröffnet die Möglichkeit, das Leben von Menschen im Alltag zu verbessern, indem man fMRT-Technologie nutzt, um ihre Konzentrationsfähigkeit für Dinge im Privat- und Berufsleben zu steigern, schreibt das Forscherteam, zu dem auch Matt Dixon, Kamyar Keramatian und Irene Liu gehören.

Darüber hinaus wecken die Studienergebnisse Hoffnung auf klinische Behandlungen für Erkrankungen, die sich verbessern lassen, wenn Patienten bewusster und kontrollierter denken, zum Beispiel bei Depressionen, Angst- und Zwangsstörungen, schreiben die Forscher. In dem Maße, in dem die fMRT-Technologie weiter verfügbar wird, könnte Gehirn-Feedback in Echtzeit zu einer wichtigen Ergänzung für das Feedback werden, das ein Therapeut geben kann, oder Patienten helfen sich selbst zu beobachten.

Quellen:

University of British Columbia, 8. April 2011

McCaig et al. NeuroImage, April 2011

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Rubrik: Hirnforschung, Leistungsfähigkeit
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