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Ist Psychotherapie für Betroffene mit Reizdarmsyndrom längerfristig hilfreich?

7. Januar 2016

Der Darm wird auch als „Bauchhirn“ oder „zweites Gehirn“ bezeichnet, weil er mehr Nervenzellen als das Rückenmark hat, die den Verdauungstrakt wie ein Netz umfassen und eng verbunden mit dem Gehirn sind. Ereignisse dort bestimmen unsere Gefühls- und Stimmungslage und umgekehrt wird die Verdauung von unseren Gefühlen beeinflusst. Jeder weiß wie sich eine beeinträchtigte Verdauung auf unser Wohlbefinden auswirkt. Man sieht es am Säugling, der sichtlich und hörbar unter seinen Blähungen leidet, man erinnert sich an das ungute Körpergefühl, wenn man am Tag nach einem Experiment mit ungewohnten Gewürzen den Eindruck nicht loswird, seinem Darm zu viel zugemutet zu haben oder die Beeinträchtigung, wenn man Verstopfung oder Durchfall hat. Kein Wunder, dass Forschungsergebnisse zeigen, dass Menschen mit einem chronischen Reizdarmsyndrom sich stärker als Betroffene anderer Erkrankungen in ihrem psychischen Wohlbefinden eingeschränkt fühlen. Erfreulich ist es da, dass sich psychotherapeutische Verfahren bis jetzt kurzfristig als wirkungsvoll in der Behandlung des Reizdarms ergaben.

Seit einiger Zeit schon weiß man, dass Psychotherapie die Symptome des Reizdarmsyndroms (RDS) kurzfristig abmindern kann.
RDS ist eine Störung des gastrointestinalen Bereichs, die 7-16 % der amerikanischen Bevölkerung (In Deutschland ca. 13 %) betrifft, die zu Ausgaben zwischen 950 Millionen bis 1,35 Milliarden Dollar für das amerikanische Gesundheitssystem jährlich führt.

Eine aktuelle Metaanalyse (Metaanalyse = Zusammenfassen der Ergebnisse vieler einzelnen Studien über eine lange Zeitperiode, um einen gesicherteren Wissensstand über die untersuchte Thematik zu bekommen) zeigt, dass die positiven Auswirkungen einer psychotherapeutischen Behandlung bis zu 12 Monate nach Therapieende bestehen bleiben. Die Studie analysierte die Ergebnisse aus 41 klinischen Versuchen aus einer Reihe verschiedener Länder und enthielt mehr als 2200 Probanden.

Diese Studie ist die erste, die Langzeiteffekte von Psychotherapie auf das RDS untersucht. Es wurde herausgefunden, dass der moderate Erfolg psychotherapeutischer Behandlungen sich nicht nur kurzzeitig zeigt, sondern längerfristig ausdehnt. Das spielt eine große Rolle, da das RDS eine chronische, immer wieder kehrende Störung ist, für die es keine hilfreichen spezifischen Medikamente gibt.

Das RDS, das durch chronische abdominale Schmerzen, Unwohlgefühl, Aufgeblasen Sein, Durchfall oder Verstopfung gekennzeichnet ist, wird als Störung der sogenannten „Hirn-Darm-Achse“ klassifiziert. Obwohl man noch nicht weiß, wie das RDS komplett geheilt werden kann, gibt es Behandlungen, die die Symptome lindern, wie beispielsweise diätetische Anpassungen, Medikation und psychologische Interventionen.

Die westliche Medizin versteht den Geist getrennt vom Körper, aber das RDS ist ein perfektes Beispiel dafür wie beide eigentlich miteinander verbunden sind. Gastrointestinale Symptome können Stress und Ängste fördern, die wiederum die Ausprägung der Symptome vergrößern können. Dies ist ein Teufelskreislauf, den eine psychotherapeutische Behandlung helfen kann zu durchbrechen.

Die Studie umfasste die Behandlung mit verschiedenen psychotherapeutischen Vorgehensweisen wie beispielsweise kognitive Verhaltenstherapie, entspannungstherapeutische Ansätze und auch Hypnose. Die Analyse zeigte keinen signifikanten Unterschied in der Effektivität der verschiedenen Therapieformen. Es wurde auch festgestellt, dass die Länge einer Behandlung (Anzahl an Sitzungen) scheinbar keine Rolle spielt.

Die wohl aus einer Kostenperspektive für das Gesundheitssystem signifikante Erkenntnis war, dass Online-Behandlungen genauso effektiv waren wie Behandlungen, die im realen Setting mit einem anwesenden Therapeuten durchgeführt wurden.

In dieser Metastudie lag das Interesse auf dem Effekt psychotherapeutischer Behandlungen auf die gastrointestinalen Symptome. In einer weiteren Studie könnten und sollten Effekte auf das Funktionsniveau des Patienten in den Mittelpunkt gestellt werden, wie z.B. arbeiten, zur Schule gehen, soziale Aktivitäten etc.

Quelle:
Der Text basiert auf Materialien, die von der Vanderbilt University zur Verfügung gestellt werden.

http://www.sciencedaily.com/releases/2015/12/151228161350.htm

Rubrik: Allgemeines, Psychosomatik & Schmerzen


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