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Hinterlässt die Scheidung der Eltern bei Kindern bleibende Schäden?

6. Juni 2011

Wie wirkt sich Autismus beim Kind auf die Beziehung der Eltern ausWenn es um Scheidung und ihre Folgen für die Kinder geht, hört man oft, dass gerade kleine Kinder so anpassungsfähig sind, dass sie bald darüber hinwegkommen. Doch eine neue Untersuchung aus den USA wirft Zweifel auf diese These. Wir haben die Presseerklärung des Herausgebers der Studie von letzter Woche übersetzt, die die Entwicklung von Scheidungskindern untersucht hat:

Eine neue Studie zeigt, dass für Kinder, deren Eltern sich scheiden lassen, die Zeit vor der Scheidung im Allgemeinen keine schädigenden Auswirkungen hat. Aber wenn ihre Eltern dann die Scheidung vollziehen, bleiben Kinder oft in Mathematik und der Entwicklung zwischenmenschlicher sozialer Fähigkeiten hinter ihren Kameraden zurück ? und holen nicht wieder auf.

Außerdem zeigt die Studie, die in der Juniausgabe der Zeitschrift American Sociological Review erscheint, dass Scheidungskinder häufiger Probleme mit Ängsten, Einsamkeit, niedrigem Selbstwertgefühl und Traurigkeit haben. Diese „internalisierenden Verhaltensprobleme“ nehmen ebenfalls erst während der eigentlichen Scheidung zu und bleiben langfristig bestehen.

„Leute sind oft der Meinung, dass Paare ernsthafte Ehekonflikte haben, bevor sie sich zur Scheidung entschließen”, sagt Hyun Sik Kim, der Autor der Studie und Doktorand der Soziologie an der University of Wisconsin-Madison in den USA. „Ursprünglich hatte ich erwartet, dass Scheidungskinder schon vor dem formellen Scheidungsverfahren Schaden nehmen. Aber meine Studie zeigt, dass das nicht der Fall ist.“

Stattdessen zeigen Kims Ergebnisse, dass Entwicklungsprobleme bei Kindern erst auftreten, wenn ihre Eltern durch die Scheidung gehen, und diese Probleme belasten sie auch dann noch, wenn die Scheidung abgeschlossen ist. Interessanterweise werden diese Probleme nach der Scheidung weder schlimmer noch besser.

„Die Studie zeigt, dass sich diese negativen Auswirkungen in der Zeit nach der Scheidung nicht verschlimmern, allerdings deutet auch nichts darauf hin, dass Scheidungskinder dann gegenüber ihren Kameraden wieder aufholen“, sagt Kim.

Die Untersuchung stützt sich auf die landesweit repräsentativen Daten der ECLS-K-Studie (Early Childhood Longitudinal Study-Kindergarten Class 1998 to 1999). Diese Langzeitstudie verfolgt die Entwicklung von 3 585 Kindern ab der Zeit, als sie im Herbst 1998 in den Kindergarten kamen, bis zur fünften Klasse und vergleicht Scheidungskinder mit Kindern aus intakten Familien. Die Studie zeichnet sich dadurch aus, dass sie als einzige nur Scheidungen untersuchte, die stattfanden, als die Kinder in der ersten bis dritten Klasse waren. So konnte Kim die Auswirkungen der Scheidung in drei definierten Stadien untersuchen: vor der Scheidung (Kindergarten bis erste Klasse), während der Scheidung (erste bis dritte Klasse) und nach der Scheidung (dritte bis fünfte Klasse).

Nach Kim gibt es eine Fülle von Gründen, warum Kinder, deren Eltern geschieden sind oder sich gerade scheiden lassen, in ihrer Entwicklung benachteiligt sein könnten.

Zu diesen Faktoren gehören der Stress, dem Kinder ausgesetzt sind, wenn sie miterleben, wie sich ihre Eltern gegenseitig die Schuld für die Scheidung geben oder sich um das Sorgerecht streiten; eine unstete Lebenssituation, wo die Kinder mal bei dem einen, mal bei dem anderen Elternteil sind oder mit dem Elternteil, der das hauptsächliche oder alleinige Sorgerecht erhält, in eine andere Gegend ziehen müssen, sodass das soziale Netzwerk der Kinder gestört wird; wirtschaftliche Not durch ein plötzliches Sinken des Familieneinkommens; und außerdem Auswirkungen der Depressionen, die Eltern wegen der Scheidung bekommen können, sagt Kim.

„Wenn die Eltern eine Scheidung durchmachen, kann das Kinder sehr aus dem Gleichgewicht bringen”, sagt Kim.

Die Studie zeigt, dass sich eine Scheidung negativ auf die Mathematikleistungen und zwischenmenschlichen sozialen Fähigkeiten eines Kindes auswirkt und zu internalisierenden Verhaltensproblemen führt. Aber sie hat im Allgemeinen keine negativen Auswirkungen auf die Zensuren im Lesen oder führt zu „externalisierenden Verhaltensproblemen“, das heißt wie oft Kinder zum Beispiel argumentieren, sich streiten oder wütend werden.

Quellen:

American Sociological Association, 2. Juni 2011

Hyun Sik Kim (2011) American Sociological Review 76 (3), 487-511

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Rubrik: Depression, Kinder & Jugendliche, Mensch & Gruppe
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1 Kommentieren

  1. Der Wochenendvater » Wie schädlich ist eine Scheidung für Kinder?
    September 24th, 2011

    […] des sozialen Umfelds. Die Studie weist auch schlechtere schulische Leistungen der Kinder nach. (mehr) Weiterempfehlen: Diese Icons verlinken auf Bookmark Dienste bei denen Nutzer neue Inhalte finden […]

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