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Hat das Glück auch seine Schattenseiten?

27. Juni 2011

Ist-Glück-ansteckend-1-300x199Das Streben nach Glück ist etwas so Elementares, dass es in der amerikanischen Verfassung als ein natürliches Recht des Menschen verankert ist.  Doch dieses Streben kann Menschen auch geradewegs ins Unglück führen. Eine neue Studie hat untersucht, wann Glück und das Streben danach etwas Negatives sein kann. Wir haben eine Pressemitteilung des Herausgebers der Studie vom Mai übersetzt, die überraschend viele Fälle fand:

Scheinbar wären alle Menschen am liebsten glücklicher, und das Streben nach Glück ist eine der Grundfesten der amerikanischen Gesellschaft. Aber auch das Glück kann seine Schattenseiten haben, meinen die Autoren eines neuen Übersichtsartikels, der jetzt in den Perspectives on Psychological Science, einem Journal der Association for Psychological Science, veröffentlicht wurde. Sie schreiben, man solle nicht glauben, dass Glück in jedem Fall etwas Gutes ist, und schildern vier Situationen, auf die das zutrifft. Denn in Wirklichkeit sind weder alle Arten des Glücks gleich gut, noch wie glücklich ein Mensch ist. Und sogar das Streben nach Glück kann dazu führen, dass sich ein Mensch schlechter fühlt.

Menschen, die sich glücklicher fühlen wollen, haben sie eine riesige Auswahl an Büchern, die ihnen sagen, was sie zu tun haben. Aber wenn man etwas gezielt macht, um glücklicher zu werden, kann das ins Auge gehen, sagt June Gruber von der Yale University, die den Artikel zusammen mit Iris Mauss von der University of Denver und Maya Tamir von der Hebrew University of Jerusalem schrieb. Das ist eine von vielen Schattenseiten des Glücks – Menschen, die nach Glück streben, kann es am Ende schlechter gehen als zuvor.

Die Ratschläge, die man oft hört, was man tun kann um glücklicher zu werden, sind nicht unbedingt schlecht. Zum Beispiel kann man sich jeden Tag Zeit nehmen, um an Dinge zu denken, die einen glücklich oder dankbar machen. Oder man kann gezielt Dinge tun, die einem Freude bereiten. „Aber wenn man das tut, weil man möchte oder erwartet, dass diese Dinge einen glücklich machen, kann das zu Enttäuschungen führen und der Mensch wird erst recht unzufrieden”, sagt Gruber.

Zum Beispiel zeigte eine Studie von Mauss und ihren Mitarbeitern, dass sich Menschen, die erst einen Zeitungsartikel über die Bedeutung des Glücks gelesen hatten und sich dann einen fröhlichen Film anschauten, nicht so gut fühlten wie Leute, die einen Zeitungsartikel gelesen hatten, in dem nichts über Glück stand. Denn wahrscheinlich waren sie enttäuscht, als sie sich nicht glücklicher fühlten. Wenn Leute am Ende nicht so glücklich sind, wie sie es erwartet haben, kann das Gefühl des Versagens dazu führen, dass sie sich noch schlechter fühlen.

Auch zu viel Glück kann zum Problem werden. Eine Studie beobachtete Kinder, die in den Zwanziger Jahren zur Schule gingen, bis ins hohe Alter und zeigte, dass diejenigen am jüngsten starben, die ihre Lehrer für die fröhlichsten gehalten hatten. Forscher haben festgestellt, dass Leute, wenn sie sich extrem glücklich fühlen, weniger kreativ denken und auch größere Risiken auf sich nehmen könnten. Zum Beispiel haben Menschen, die unter einer Manie wie bipolarer Störung leiden, ein Übermaß an positiven Emotionen. Das kann dazu führen, dass sie Dinge riskieren wie Drogen missbrauchen, zu schnell fahren oder ihre Lebensersparnisse ausgeben. Aber auch für Menschen, die nicht psychisch krank sind, „können zu starke Glücksgefühle schlecht sein”, sagt Gruber.

Ein weiteres Problem ist glücklich zu sein, wenn es nicht angebracht ist. Natürlich ist es nicht normal sich zu freuen, wenn man jemanden sieht, der über den Verlust eines geliebten Menschen trauert, oder wenn man hört, dass sich ein Freund bei einem Unfall verletzt hat. Aber Untersuchungen von Gruber und ihren Kollegen haben gezeigt, dass man solch eine unangebrachte Freude auch bei Patienten mit einer Manie beobachten kann. Weiter kann Freude einen Mangel an negativen Emotionen bedeuten – die auch ihren Platz im Leben haben. Furcht kann einen Menschen davon abhalten unnötig etwas zu riskieren. Schuldgefühle können ihn daran erinnern, sich anderen gegenüber richtig zu verhalten.

Aber Psychologen haben entdeckt, was Menschen scheinbar wirklich glücklicher macht. „Am besten lässt sich das Glück eines Menschen nicht durch Geld oder äußere Anerkennung wie Erfolg oder Ruhm vorhersagen“, meint Gruber, „sondern ob er soziale Beziehungen hat, die ihm etwas bedeuten.” Das heißt, die beste Methode um glücklicher zu werden ist, wenn man sich keine Sorgen mehr darum macht glücklicher zu werden, sondern stattdessen seine Energie darauf richtet, seine sozialen Bindungen zu anderen Menschen zu pflegen. „Wenn Sie sich auf etwas konzentrieren wollen, konzentrieren Sie sich darauf. Lassen Sie alles andere kommen wie es wolle.”

Quellen:

Association for Psychological Science, 16. Mai 2011

Gruber et al. Perspectives on Psychological Science, Mai 2011

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Rubrik: Glücksforschung
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1 Kommentieren

  1. Jan-Andrej Fischer
    März 4th, 2014

    Ich finde die These von June Gruber sehr interessant, aber auc sehr gewagt. Leider komme ich an die von ihr zitierten Artikel momentan nicht dran, sonst würde ich das Thema noch genauer durchleuchten. Ich möchte einen sehr kritischen Punkt, in ihrem Artikel, jedoch kurz kommentieren. Das Beispiel mit den bipolaren Störungen finde ich nicht Aussagekräftig. Die bipolare Störung, auf die hier als Bestätigung für die These zurückgegriffen wird, ist sehr Komplex. Auf Grund dieser Tatsache sollte auf gar keinen Fall ein kausaler Zusammenhang zwischen Glück und Risikoverhalten gezogen werden. Auch wenn es augenscheinlich bei betroffenen Personen den Zusammenhang gibt, ist dies lediglich eine gewagte These von June Gruber. Allgemein werden bei ihrer Betrachtung die konfundierten Variablen weitestgehend außer Acht gelassen. Eine solch gewagte These sollte, meines Erachtens nach, sehr stichhaltig sein. Leider macht man sich durch solch eine Argumentation angreifbar. Nichts destotrotz gilt es natürlich die Thesen, die hier angesprochen werden, zu überprüfen. Das macht die Wissenschaft schließlich aus. WIr sollten jedoch noch einige Studien abwarten, bevor wir als Bewiesen annehmen, dass das Streben nach Glück schädlich sein kann. Jedoch verstehe ich June Grubers Thesen als eine Form der Provokation, welche wiederum die Forschung antreibt, was ich wiederum nicht kritisieren will.

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